Was gibt es Neues?

Die letzten Nachrichten aus Conakry sind gut: Ende Mai berichtete Mariama Sire Diallo, die Seele und der gute Geist unseres kleinen Teams in Guinea, dass alles im Viertel normal sei – in Zeiten der Ebola eine große Erleichertung, denn die Krankheit ist auch in der Hauptstadt aufgetreten und hat seit Dezember 2013 im ganzen Land mehr als 5000 Todesfälle verursacht.

Unterdessen hat unser neues Projekt an der École Ingrid in Simbaya Gestalt angenommen: kostenloser und freiwilliger Unterricht in traditioneller Musik und Tanz. Diese vermeintlich nahe liegende Idee ist nicht so leicht umzusetzen, wie man meinen könnte. Denn was uns in Europa wunderbar, belebend und bereichernd erscheint, eben die Musik Westafrikas, wird dort nicht überall so positiv empfunden. An der École Ingrid gab es bisher keinen Unterricht in traditioneller Musik und Tanz, während interessierte Gäste aus aller Welt nach Simbaya kommen, um diese Künste zu erlernen – unser verstorbener Lehrer Rainer Dörrer hatte in der direkten Nachbarschaft der Schule jahrelang internationale Workshops mit Famadou Konaté veranstaltet.

Doch im eigenen Land gilt der Prophet bekanntlich wenig. In Afrika gelten Musiker und Tänzer manchmal als durchaus zwielichtige Gestalten, ihre Berufe nicht als ehrenhaft. Der Tradition nach darf nicht einfach jeder trommeln, und bis vor einigen Jahren war das Trommeln ausschließlich Männern vorbehalten – eine Beschränkung, der Famadou Konaté aktiv entgegen tritt, indem er Frauen-Ensembles fördert.

Wir möchten diese kulturelle Öffnung durch ein freundliches Angebot unterstützen. Direkt gegenüber der Schule befindet sich die Trommelschule von Billy Konaté, einem der Söhne des großen Meisters Famoudou Konaté. Dort findet der Unterricht statt – also auf höchstem Nievau. Billy und seine Mitarbeiter haben bei lokalen Instrumentenbauern in unserem Auftrag Trommeln bauen lassen, die jetzt in den Besitz der Schule gehören; und sie verantworten den Unterricht, der mehrmals wöchentlich in kleinen Gruppen stattfindet. Alle laufenden Kosten werden von „Simbaya e.V.“ getragen.

Wir hoffen, dass dieses Projekt vielfache Wirkung zeigt. Zum einen ist Musik eine Quelle von Lebenslust; sie bildet aber auch Persönlichkeit im umfassenden Sinn. Die Beschäftigung mit den eigenen kulturellen Wurzeln kann das Selbstwertgefühl festigen, und, wer weiß, besonders talentierten Kindern sogar eine Existenz ermöglichen – die Familie Konaté, aber auch unsere Schulstifterin Fanta Kaba, die Grande Dame des traditionellen Tanzes in Guinea, sind die besten Beispiel dafür.

Wenn gegen Ende des nächsten Schulhalbjahres erste Erfahrungen mit dem diesem Projekt vorliegen, werden wir entscheiden, wie es weitergeht.

Eine weitere Innovation verdankt sich der tatkräftigen Hilfe von Dr. Claudia Müller, die als Ärztin schon seit vielen Jahren Hilfsprojekte in Guinea durchführt. Auf ihre Anregung hin haben wir Anfang des Jahres drei mobile Solarlampen angeschafft, die in der Schule und bei unserer Haupt-Ansprechpartnerin Mariama Sire Diallo im Einsatz sind. Claudia Müller hat auch den Transport und die Ausliefrung vor Ort organisert – ohne direkte persönliche Kontakte wäre es unmöglich, wertvolle Güter wie Solarlampen nach Simbaya zu bringen.

Da die Schule überhaupt keinen und private Häuser nur sehr unzureichende Stromanschlüsse haben, könnten die Lampen vielen Schülern und Nachbarn im Viertel zugute kommen. Auch hier warten wir, ähnlich wie beim Musikunterricht, auf erste Erfahrungen, bevor entschieden wird, ob weitere Solarlampen folgen.

Weiter oben auf der Erdhalbkugel gab es ebenfalls neue Entwicklungen bei „Simbaya e.V.“, wenn auch eher unfreiwillige. Durch das Ende unseres langjährigen Stammlokals Cassiopeia auf dem Frauenberg ist uns ein traumhafter Ort für Feste, Konzerte und Austausch verloren gegangen. Am 31.12.2013 haben wir das alte Cassiopeia mit Trommlern auf der Bühne und am Feuer gebührend hochleben lassen und verabschiedet.

In schon sehr lange bewährter Freundschaft reisen wir auch diesen Sommer auf den Lerchenhof bei Orbey in den Vogesen, zum Workshop mit Billy Konaté. Für das Jahr 2015 haben wir bereits angefragt, dann soll es wieder 14 Tage dort geben, mit Musik und viel freier Zeit für Wandern, Baden, Saunieren, Genießen…

Stand: Oktober 2014