Bericht in der Stuttgarter Zeitung vom 08.02.2018

Hier der Text im lesbaren Format:

Pestalozzischule in Stuttgart-Rohr Lehrerin erzählt von einer langen Freundschaft

Von  

Seit zehn Jahren hat die Pestalozzischule eine Partnerschule in Guinea in Westafrika. Die Lehrerin Anja Frasch ist vor Kurzem vor Ort gewesen, um das Geld zu überbringen, das bei einem Spendenlauf zusammengekommen war.

Die Pestalozzischule ist der Groupe Scolaire Igrid seit zehn Jahren eng verbunden. Foto: privat
Die Pestalozzischule ist der Groupe Scolaire Igrid seit zehn Jahren eng verbunden. Foto: privat

Rohr – Dieser Name wird den Kindern im Gedächtnis bleiben: Fanta Kaba hat nichts mit Erfrischungsgetränken oder Kakao zu tun. Sie ist die Leiterin der Groupe Scolaire Igrid, einer Schule in Guinea in Westafrika. Genauer gesagt in Simbaya; so heißt einer der ärmsten Stadtteile in der Hauptstadt Conakry. Dort hat die Pestalozzischule eine Partnerschule. Anja Frasch ist erst vor Kurzem von ihrer Reise nach Guinea zurückgekehrt. Sie ist Lehrerin an der Rohrer Grund- und Werkrealschule und Vorsitzende des Vereins Simbaya. Der Grund ihres Besuchs an der afrikanischen Schule war eine Spende in Höhe von 2877 Euro. So viel Geld war bei dem Spendenlauf Ende September zusammengekommen. Damals suchten sich die Pestalozzischüler selbst Sponsoren, die pro gelaufener Runde einen bestimmten Betrag gaben. Die Mädchen und Jungen erliefen insgesamt 5761 Euro. Der größte Teil ging an die Partnerschule, 1727 Euro waren für den Förderverein und 1165 Euro für die Neugestaltung des Schulhofs.

„Die Schüler sollen wissen, was mit dem von ihnen erlaufenen Geld passiert“, sagte die Rektorin Silke Plaas am Mittwochmorgen im Foyer der Pestalozzischule. Dort hatten sich die Mädchen und Jungen versammelt. Denn Frasch berichtete von ihrer Reise nach Simbaya und von der Partnerschaft mit der dortigen Schule.

Die Fünftklässler gewannen mit ihrem Projekt einen Preis

Diese hatte vor etwa zehn Jahren mit einem Afrika-Projekt begonnen. Frasch beschäftigte sich mit ihren damaligen Fünftklässlern mit Land und Leuten, mit der Kultur und der Musik. „Wir haben gesungen und getanzt, gemalt und afrikanische Geschichten gelesen“, erzählte Frasch ihren Zuhörern. Bis heute erinnert ein großes Plakat im Hauptgebäude der Pestalozzischule an das damalige Projekt. Zudem wurden die Mühen der Fünftklässler und ihrer Lehrerin mit 20 000 Euro belohnt. Denn das Projekt gewann einen von der Hector-Akademie ausgeschriebenen Förderpreis. „Die Preisverleihung war ein großes Ereignis mit dem Ministerpräsident am Flughafen“, erinnerte sich Frasch. Ein Großteil des Geldes kam damals natürlich der Pestalozzischule zugute. Doch 2000 Euro gingen nach Afrika. Frasch kannte die Schulleiterin Fanta Kaba. Denn seit vielen Jahren ist sie eine Afrikaliebhaberin. Ihre Musik, das Trommeln, hatte sie schon mehrfach dorthin geführt.

Als die Partnerschaft vor etwa zehn Jahren begründet wurde, war die Schule in Simbaya ziemlich heruntergekommen. „Wir erneuerten die Mauern, verputzten und bemalten sie. Wir finanzierten ein neues Tor und wir kauften neue Tische und Stühle“, erzählte Frasch den Schülern. Sie hatte viele Bilder dabei, die sie dank der Vorarbeit der Technik-AG der Pestalozzischule mit einem Beamer an die Wand projizierte. Auf einem Foto war ein Taxi zu sehen – ein klappriges Auto, bei dem Fenster und Lampen fehlten. Bei einem anderen Foto waren Hühner auf dem Autodach zu erkennen. Die Bilder spiegelten die Armut in dem kleinen Stadtteil Simbaya wider. Doch sie zeigten auch viele lachende Mädchen und Jungen.

Es gibt keinen Strom und kein fließend Wasser

„Bei uns muss jedes Kind zur Schule gehen. In Guinea geht nur derjenige zur Schule, der dafür bezahlen kann“, erklärte Frasch den Pestalozzischülern. Ein Monat Schule in Afrika kostet umgerechnet drei Euro. „Das klingt wenig. Für die Menschen dort ist das aber viel Geld“, sagte Frasch. Die Mädchen und Jungen in Afrika lernen auf engstem Raum. In der Vorschulklasse sind derzeit 87 Kinder, die von einer Lehrerin unterrichtet werden. Es gibt keinen Strom und kein fließend Wasser. Licht kommt lediglich durch die kleinen Fenster, und in Eimern befindet sich Trinkwasser. Auch der Toilettengang sei nicht wirklich „fein“, berichtete Frasch. Denn es gebe nur Plumpsklos, „und die stinken“.

Mit dem Geld vom Spendenlauf im September soll eine Fotovoltaikanlage finanziert werden, damit die Kinder in Simbaya künftig Licht und vielleicht sogar einen Ventilator in ihren Klassenzimmern haben. Darüber hinaus ist vorgesehen, die Toiletten zu sanieren, neue Schulkleidung zu kaufen und den Trommelunterricht an der Schule finanziell zu unterstützen.

Bei ihrem Besuch in Simbaya hatte Frasch zudem Buntstifte, Spitzer und Bälle für die Kinder dabei. Als Dankeschön malten die Mädchen und Jungen Bilder. Frasch brachte einen ganzen Stoß Blätter mit nach Deutschland. „Wenn ihr wollt, dann malt doch auch was, und ich nehme die Kunstwerke bei meiner nächsten Reise nach Afrika mit“, schlug Frasch vor. Sie freue sich, dass die Schulgemeinschaft der Pestalozzischule das Afrika-Projekt schon seit so vielen Jahren unterstütze. „Auch mit kleinen Beträgen kann man schon viel bewirken“, sagte sie. „Denn das Geld ist in Afrika sehr viel mehr wert.“

Die Schüler hatten im Anschluss noch viele Fragen. Einige kamen noch einmal direkt auf Frasch zu, weil sie zum Beispiel wissen wollten, ob die Kinder in Afrika auch Sport treiben oder was ein Patenkind sei. Den Mädchen und Jungen wird also mehr im Gedächtnis bleiben als der etwas kuriose Name Fanta Kaba.